08.10.2026  |  Im Browser lesen
Universität Zürich
CHESS
Newsletter Oktober 2026

Liebe CHESS-Interessierte,

wie schön, dass wir auch in diesem Herbst von vielen Projekten und Publikationen sowie einem dynamischen Weiterbildungsbereich berichten und zwei CHESS lectures zur „Digitalen Souveränität von Hochschulen“ und zu „Public trust in scientists“ im HS 2026 ankünden können. Für einmal aber möchten wir auch zurückblicken und dieses Editorial den Personen im CHESS widmen, die uns für immer verlassen oder neue Herausforderungen angenommen haben.
Wir können es immer noch nicht begreifen, Katja Rost ist tot, ihre Stimme endgültig verstummt. Wir waren mit ihr als CHESS-Leitungsausschussmitglied und stellvertretende Direktorin über lange Jahre intensiv verbunden und bis zuletzt in engem Kontakt. Wir wussten um ihre schwere Krankheit und dass es einmal nicht mehr weitergehen könnte, der 20. Juni aber war trotzdem ein Schock, von dem wir uns nur ganz langsam erholen können. Wir vermissen Katja und werden sie in bester Erinnerung behalten. Als Nachfolger von Katja Rost übernimmt das langjährige Leitungsausschussmitglied David Seidl das Amt des stellvertretenden CHESS-Direktors.
Mit Christian Leder hat uns ein langjähriger CHESS-Mitarbeiter verlassen, um neue Herausforderungen anzunehmen. Ihm verdanken wir viele Impulse zur Profilierung des Beratungsbereiches. Und Philippe Saner hat, nicht so lange im CHESS und mit einem kleineren Pensum, mit seiner erfolgreichen Publikationstätigkeit unser Forschungsprofil gestärkt.
Wir wünschen euch bei der Lektüre des Newsletters viel Anregung und freuen uns auf gute und künftige Zusammenarbeit sowie Begegnungen bei den CHESS lectures.

Herzlich!

Mike S. Schäfer David Seidl Bernhard Nievergelt

 


Forschung

Nachrichten von der Quantitativen Wissenschaftsforschung: Verhalten sich Universitäten wie Tanker in stürmischer See?

In einem kürzlich in Scientometrics veröffentlichten Beitrag von CHESS-Mitarbeiter und -Mitglied Rüdiger Mutz zur Wettbewerbsfähigkeit von Hochschulen (2026) wird die „Tankerhypothese“ untersucht. Demnach verhalten sich Universitäten wie Tanker, die trotz stürmischer See ihre Position über die Zeit relativ stabil und somit wettbewerbsfähig aufrechterhalten können. Diese und weitere Hypothesen werden mithilfe eines anspruchsvollen psychometrischen Modells („Multilevel Latent State Trait Model“) getestet. Es werden Zeitreihen der bibliometrisch gemessenen Forschungsleistungen (MNCS) aller 1'528 Universitäten des CWTS-Leiden-Rankings (einschliesslich CH) über 5 Fachbereiche und 14 Perioden analysiert. Die Tankerhypothese kann bestätigt werden. Die Gesamtvariabilität der Forschungsleistung wird zu einem grossen Teil durch die Variabilität zwischen den einzelnen Fachbereichen innerhalb von Universitäten erklärt.

Das Forschungsprogramm (NFP) 77 und dessen Publikationen

Im Frühsommer fand das Nationale Forschungsprogramm (NFP) 77 mit der Publikation des Syntheseberichts seinen Abschluss. Das CHESS war mit dem Projekt „Digitale Strategien: Hochschulen und Disziplinen als Agenten des Wandels“ unter der Leitung von Prof. Dr. Katja Rost beteiligt. Das Projekt untersuchte, wie Hochschulen als Organisationen und die an ihnen institutionalisierten wissenschaftlichen Disziplinen bezüglich der sozio-technischen Entwicklung der Digitalisierung agieren und reagieren. Im Rahmen des Projekts sind eine Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen, Vermittlungsbeiträgen und andere Outputs entstanden. Zudem haben wir die Ergebnisse des Projekts sowohl bei wissenschaftlichen Konferenzen als auch in publikumsoffenen Veranstaltungen vorgestellt und diskutiert.

Im Rahmen des Projekts wurden zahlreiche wissenschaftliche Publikationen erarbeitet und veröffentlicht. Darüber hinaus fanden verschiedene Veranstaltungen statt, die dem Austausch mit Wissenschaft, Hochschulpraxis, Politik und Öffentlichkeit dienten. Auf der Projektwebseite sind alle Publikationen, Veranstaltungen und Präsentationen dokumentiert.

Mit Sustainable-Development-Goals-Mapping zu gezielter Bildung für Nachhaltige Entwicklung-Weiterbildung

Wie lässt sich Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) an Hochschulen wirksam verankern? Das Buchkapitel „BNE an tertiären Bildungseinrichtungen: Mit SDG-Mapping zu effektiven Weiterbildungskonzepten für BNE“ (S. 78-96) von CHESS-Mitglied Prof. Dr. Frank Ulbrich zeigt, wie ein differenziertes SDG-Mapping des Curriculums als Grundlage für die gezielte Weiterbildung von Lehrenden genutzt werden kann. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Nachhaltigkeitsziele in welchen Modulen bereits aufgegriffen werden und mit welcher Tiefe. Auf dieser Grundlage entwickelt der Beitrag ein vierstufiges Weiterbildungsmodell für Anfänger:innen bis hin zu Expert:innen mit differenzierten Schwerpunkten. Diese reichen von der Vermittlung von Basiswissen bis hin zum Aufbau von Communities of Practice und der Entwicklung interdisziplinärer Projekte. So lassen sich Weiterbildungsangebote stärker an den tatsächlichen Erfahrungen und Bedürfnissen der Lehrenden ausrichten und zugleich die institutionelle Verankerung von BNE unterstützen.

Systementwicklung der Hochschulen

Im Band „Bildungsgeschichte – Systementwicklung im 19. und 20. Jahrhundert in der deutschsprachigen Schweiz“ (Brühwiler et al. [Hrsg.], Zürich: Chronos 2026) sind zwei Beiträge von CHESS-Mitglied Prof. Dr. Lucien Criblez zur Geschichte der höheren Bildung in der Schweiz erschienen. „Die höhere Bildung in der Schweiz im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert“ (S. 133-158) und „Schweizer Mittelschulen und Hochschulen im Kontext gesellschaftlicher Dynamisierungen seit 1950“ (gemeinsam mit Dr. Barbara Hof; S. 347-374) geben einen Überblick über die Entwicklung von Maturitätsschulen und Hochschulen mit einem Fokus auf die zentralen bildungs- und forschungspolitischen Entwicklungen. Der Band ist als E-Book kostenlos zugänglich.

Weiterbildung

Doppelter Grund zu feiern

Anfang Juni feierte das CHESS den Abschluss des 10. Lehrgangs „CAS Leadership und Governance an Hochschulen“ mit Livemusik, feinem Essen und Getränken sowie selbstverständlich der Diplomübergabe.
Doch der Holzofen wurde nicht nur für diesen spezifischen Jahrgang angefeuert, sondern auch zu Ehren des 10-jährigen Jubiläums dieses CAS. Bereits 236 Teilnehmende aus verschiedenen Hochschulen haben sich mit unserem CAS gezielt für die Herausforderungen von Führungsaufgaben an Hochschulen weitergebildet. Nun, nach einem Jahrzehnt, gab es bei uns einen Leitungswechsel: Dr. Isabelle Odermatt übernahm von Bernhard Nievergelt die Studiengangsleitung.

Der 11. CAS Leadership und Governance an Hochschulen ist gestartet

Im September 2026 ist der 11. Lehrgang des CAS Leadership und Governance an Hochschulen gestartet. Der Auftaktnachmittag bot Gelegenheit, die anderen Teilnehmenden kennenzulernen und einen Einblick in die kommenden Module zu gewinnen. Bereits am nächsten Tag begann das erste Modul zum Thema Governance.
Insgesamt absolvieren 20 Teilnehmende den gesamten Lehrgang, weitere sieben Personen besuchen einzelne Module. Die Teilnehmenden bringen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven aus dem Hochschulumfeld mit – eine gute Grundlage für den Austausch in den kommenden Monaten. Wir freuen uns auf die gemeinsame Reise. 
Mehr Informationen sind in unserer Broschüre zu finden.

H.I.T. Programm 2026 abgeschlossen, Ausschreibung 2027 gestartet

Mit der Abschlussveranstaltung am 1./2. Oktober in St. Gallen kommt das Programm 2026 zu Ende. Die Ausschreibung für das H.I.T. Programm 2027 ist erfolgreich gestartet. Die Agenda beginnt im März 2027 in Lausanne und umfasst weitere Veranstaltungen in Luzern und Zürich sowie online.

Alumnae-Netzwerk

Gemeinsam mit dem Professorinnen-Netzwerk an der UniFr wurde im Juni ein Workshop in Fribourg durchgeführt. Im November folgt ein weiterer Workshop in Zusammenarbeit mit dem SNSF Leadership Programme.

UZH Leadership and Governance Academy

Leadership Program for Professors 
Zwei Tage, 25 Professor:innen und viele Perspektiven auf Führung im akademischen Alltag: Am 11. und 12. September 2026 fand das Grundlagenmodul „Professionelle Führung in der Wissenschaft“ statt. Auf dem Programm standen Governance an der UZH, die Führungsrollen von Professor:innen, Selbstführung und unterschiedliche Ansätze wirksamer Führung. Der Austausch mit erfahrenen UZH-Kolleg:innen und die Diskussion konkreter Führungssituationen ermöglichten eine vertiefte Auseinandersetzung mit Führung.

Auch das Leadership-Programm selbst geht in eine neue Phase: Seit September 2026 ist der Abschluss des Programms Bestandteil bestimmter Beförderungs- und Verlängerungsverfahren an der UZH.

UZH Führungsdialog 

Am 26. Januar 2027 findet der 6. UZH Führungsdialog für Professor:innen mit zusätzlichen Führungsfunktionen statt. Im Zentrum steht die Zukunft der Lehre an der UZH. Neue Möglichkeiten durch KI und tiefgreifende Veränderungen auf den Arbeitsmärkten stellen auch die universitäre Lehre vor neue Fragen. Wie muss Bildung an der Universität für die Welt von morgen aussehen, und was bedeutet das für die Weiterentwicklung unserer Lehre? Darüber wollen wir mit den Teilnehmenden ins Gespräch kommen – erstmals im Vortragssaal des Kunsthauses Zürich.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Programm.

Beratung

GHK 2029-32: Strategische Schwerpunkte von swissuniversities für die nächste BFI-Periode 

Im August 2026 hat swissuniversities das Dokument „Gesamtschweizerische Hochschulpolitische Koordination 2029–32“

 veröffentlicht. Es ist Teil der im Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG) vorgesehenen Mitwirkung der Hochschulen an der Planung der kommenden BFI-Periode. Das CHESS war an der Erarbeitung des Dokuments beteiligt: Im Rahmen eines Mandats von swissuniversities hat Christian Leder zwischen August 2025 und Mai 2026 an dessen Erarbeitung mitgewirkt.
Die strategische Stossrichtung des Antrags- und Planungsdokuments von swissuniversities ist stark von zwei äusseren Entwicklungen geprägt. Erstens von der angespannten finanzpolitischen Situation und dem Spardruck im Kontext des Entlastungspakets 2027, in diesem Zusammenhang auch die projektgebundenen Beiträge zur Disposition stehen, die bislang ein wichtiges Instrument zur Förderung hochschulübergreifender Vorhaben waren. Zweitens prägte eine neue Aufmerksamkeit für Abhängigkeiten im Kontext geopolitischer Umbrüche die hochschulpolitische Agenda – etwa mit Blick auf Datensicherheit, technologische Souveränität und Forschungsinfrastrukturen.
Die GPK 2029–32 ist im Vergleich zu ihren Vorgängerdokumenten deutlich strategischer ausgerichtet. Mit „Sicherheit und Verteidigung“ oder „Weltraum“ werden Schwerpunkte geltend gemacht, in denen sich durch verstärkte Zusammenarbeit mit Staat und Wirtschaft neue Möglichkeiten für die Finanzierung von Forschung und Ausbildung eröffnen. Dabei geht es auch darum, zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschliessen, die nicht auf die klassischen SBFI-Kredite beschränkt sind. Weitere Schwerpunkte bilden die technologische Souveränität, der Ausbau von Forschungs- und Dateninfrastrukturen, Gesundheit und Medizin sowie die Evaluation und Weiterentwicklung des Bildungs- und Hochschulsystems.

Veranstaltungen

CHESS lecture "Digitale Souveränität im Hochschulumfeld: Vom Schlagwort zur Schweizer Handlungsfähigkeit"
4. November, 17:15-19:00 | KOL-F-104, Hauptgebäude UZH |  Flyer | Webseite | Anmeldung 

Was steckt hinter dem Begriff der digitalen Souveränität, der nach jahrzehntelangen Abhängigkeiten von US-amerikanischen Technologiekonzernen weit oben auf der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Agenda steht? Prof. Dr. Matthias Stürmer macht dies anhand der Auswirkungen auf die Hochschulen und die wissenschaftliche Praxis fest. In der lecture werden auch rechtliche und politische Auswirkungen aktueller nationaler und internationaler Ereignisse beleuchtet sowie Lösungsansätze besprochen.
CHESS lecture "Public trust in scientists: Insights from a global survey and learnings for Switzerland"
26. November, 17:00-18:30 | RAA-G-01, Alte Kantonsschule |  Flyer | Webseite | Anmeldung 

Scientific knowledge shapes key societal decisions, but science also depends on public trust. A global survey of over 70,000 people in 68 countries examined trust in scientists and expectations of their role in society and policymaking. Viktoria Cologna and Niels G. Mede present the findings, focusing on Switzerland and their implications for science and research institutions.
Podcast der lecture vom Frühling

UZH Leadership and Governance Academy lecture "Quo Vadis Hochschulgovernance?"

Alle Informationen zu kommenden wie auch vergangenen Veranstaltungen finden Sie auch auf unserer ⇲Website.
Personelles

CHESS Mitglieder und Mitarbeitende trauern um Prof. Dr. Katja Rost


Katja war dem CHESS seit dessen Gründung eng verbunden und hat das Zentrum über viele Jahre als stellvertretende Direktorin und Mitglied des Leitungsausschusses entscheidend mitgeprägt. Mit ihrer wissenschaftlichen Klarheit, ihrem intellektuellen Mut und ihrem Sinn für die Relevanz hochschul- und wissenschaftspolitischer Fragen hat sie wesentlich dazu beigetragen, dass sich das CHESS als Zentrum der Hochschul- und Wissenschaftsforschung in der Schweiz und darüber hinaus etablieren konnte.

Wer mit Katja Rost zusammenarbeitete, erlebte sie als aussergewöhnlich klare, mutige und kommunikativ starke Kollegin. Sie stellte unbequeme Fragen, dachte unabhängig, argumentierte präzise und brachte zugleich eine grosse Energie und Verbindlichkeit in gemeinsame Projekte ein. CHESS verliert mit ihr eine prägende Persönlichkeit, eine wichtige Stimme und eine geschätzte Kollegin und Freundin. Sie wird uns sehr fehlen.

Geschäftsstelle

Auf Wiedersehen Christian Leder

Christian war seit Oktober 2019 ein zentraler Pfeiler für die forschungsnahe und evidenzbasierte Beratung im CHESS. Mit seinem ausserordentlich grossen Wissen über die Geschichte und die Entwicklung des Hochschulplatzes Schweiz hat er Veranstaltungen organisiert und moderiert, selbst referiert und ganz besonders die Forschungs- und Beratungsmandate mit höchster Kompetenz geleitet – für das NFP-77-Projekt, für das SBFI, für swissuniversities, für die UZH auf Universitätsleitungs-, Fakultäts- und Institutsebene und für Mandate anderer Hochschulen. Wir verlieren mit ihm einen kompetenten Kollegen, der sich auch als Koordinator des Forschungsnetzwerkes REHES (Forschung zu Hochschulen und Wissenschaft in der Schweiz) verdient gemacht hat. Und wir hoffen, auch in Zukunft wieder mit ihm zusammenarbeiten zu können.

Lieber Christian, wir danken dir ganz herzlich für dein langjähriges und für das CHESS so wertvolles Engagement und wünschen dir für deine neuen Herausforderungen alles Gute!

Auf Wiedersehen Philippe Saner

Im Januar 2023 startete Philippe als wissenschaftlicher Mitarbeiter (40 %) im NFP-77-Projekt „Digitale Strategien: Hochschulen und Disziplinen als Agenten des Wandels?“. Als Ergänzung zu seiner Postdoc-Anstellung an der Universität Luzern konnte er dem Projekt entscheidende Impulse verleihen und insbesondere alle geplanten Artikel erfolgreich publizieren (siehe unter Forschung). Du warst eine Bereicherung für das CHESS, danke Philippe! Für die neue Tätigkeit bei der SAGW wünschen wir dir alles Gute.

Auf Wiedersehen Meike Katarina Gärtner

Meike unterstützte das UZH Leadership and Governance Academy Team seit Februar 2025 bei Aufgaben im Zusammenhang mit den verschiedenen Beratungs- und Weiterbildungsangeboten. Nun verschlägt es sie für ihren Psychologie-Master nach Belgien.
Wir freuen uns sehr, ein Teil deines beruflichen Werdegangs gewesen zu sein, und sind gespannt, wohin er noch geht. Viel Erfolg, Meike!

CHESS — Center for Higher Education and Science Studies
Plattenstrasse 54
8032 Zürich

www.chess.uzh.ch
 
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